Im Zeitalter knapper Ressourcen und des zunehmend wahrzunehmenden Klimawandels sind Maßnahmen zum Klimaschutz notwendig. Zur Lösung der Probleme aus der konventionellen Energieversorgung werden seit Jahren erneuerbare Energien wie Photovoltaik oder Windkraft vom Gesetzgeber in hohem Maße gefördert. Bis 2020 sollen diese in Deutschland 20% (EU 22%) der elektrischen Energieversorgung erzeugen, wovon mehr als 10% auf die in den letzten Jahren stark wachsende Windkraft entfällt. Der Geschwindigkeit des Ausbaus erneuerbarer Energieerzeuger sind aber technische Grenzen gesetzt. Bis diese den Strombedarf in Deutschland vollständig abdecken können, sind für die Erreichung der Klimaschutzziele Energieeffizienzmaßnahmen notwendig. Der Energiewirtschaft kommt auf Grund des Anteils von mehr als 80% an der Treibhausgasemission eine besondere Bedeutung zu.
Durch die Zunahme dezentraler Energieerzeuger und Reduzierung konventioneller Kraftwerke wird zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit der Netze zunehmend eine kommunikative Vernetzung und aktive Steuerung von Energieerzeugung und -verbrauch (Smart Grids) notwendig. Smart Metering setzt genau bei diesen Problemstellungen an. Durch die Umstellung der Zählertechnologie von den nicht kommunikationsfähigen Ferrariszählern hin zu vernetzten bidirektional kommunizierenden intelligenten Zählern (Smart Meter), werden die Voraussetzungen für Smart Grids geschaffen. Zugleich bietet das Smart Metering neben Effizienzsteigerungen durch eine automatische Zählerfernauslesung und -steuerung das Potential zur Steigerung der Energieeffizienz durch einen integrierten regelmäßigen Feedbackprozess verbrauchter Energie.
Die nachfolgende Abbildung zeigt die neuen Funktionen im Vergleich.
Auf dem Weg hin zu einer intelligenten Energiewelt könnte die Installation intelligenter Zähler der erste Schritt sein. Die Installation ermöglicht verbrauchsbasierte monatliche Abrechnungen und realisiert Prozesspotentiale im Netz- und Kundenservice. Durch Demand-Respone-Programme können weitere Energieeinsparungen ermöglicht werden. Wichtig hierbei ist zu beachten, dass ein erweiterbarer modularer Ansatz gewählt wird, um die nachfolgenden Schritte effizient zu realisieren bzw. einem Kunden auch einen Einstieg auf höherer Ebene anzubieten (bspw. Technologieliebhabern). Aber auch weitere nationale rechtliche Rahmenbedingungen sind zu beachten (Datenschutz, Eichrecht).
Einen Anreiz könnte das Angebot weiterer Mehrwertdienste (Richtung Smart Home) für den Endverbraucher bieten. Um das Geschäft erst einmal für Dienstleister attraktiv zu machen ist jedoch eine Mindestgröße installierter Smart Meter notwendig. Bis zum Jahr 2015 wird mit einem Anteil intelligenter Zähler in Deutschland in Höhe von 15 % (> 6 Mio. Zähler) gerechnet, so dass ab diesem Zeitpunkt ein Markt für Mehrwertdienstleistungen erwartet werden kann. Einen deutlichen Schub könnte das Smart Metering aus der Richtung intelligenter Netzsteuerung bekommen, da die Technologie die Basis für Smart Grids darstellt. Unter Experten wird mit einer Umsetzung intelligenter Netze bis zum Jahr 2020 gerechnet, falls zu diesem Zeitpunkt die erneuerbare Energie den von der EU angestrebten Anteil von 20% erreicht hat und die Elektromobilität weiter an Attraktivität gewinnt. Mit jedem Schritt steigen die Anforderungen an die Kommunikationsinfrastruktur.
Treiber für ein Smart Metering in Deutschland ist bislang in erster Linie die EU. Doch wie kann ein Startschuss gesetzt werden? Andere Länder wie Großbritannien sind einen Weg gegangen der auch für Deutschland geeignet wäre. Hier hat der Gesetzgeber Mindestanforderungen an den Zähler (Funktionen, Technologien) und der Verbrauchsvisualisierung (Auslieferung Basisdisplay) gestellt. Somit ist eine Handlungssicherheit aber auch genug Freiraum für Innovation sichergestellt. Seitens des Kunden oder des Energieversorgers sind erweiterte Funktionen durch den modularen erweiterbaren Ansatz effizient
realisierbar. Um eine schnelle Verbreitung der Smart Meter zu erreichen sollten die Kosten für die erweiterbare Basislösung für den Kunden gering sein. Wenn eine Verteilung der erstmaligen Investitionskosten auf die Marktrollen (Energielieferant, Messstellenbetreiber, Netzbetreiber) erfolgt und Investitionen bei einem Wechsel des Kunden zu einem neuen Messstellenbetreiber (MSB) oder Energielieferanten (EL) für die Restlaufzeit vom neuen MSB / EL übernommen werden, wird sicherlich das Thema in Deutschland an Fahrt gewinnen. Ein spartenübergreifender Ansatz und die Entkopplung der langlebigen Messtechnik von der innovativen Kommunikationstechnologie durch den MUC-C-Ansatz trägt sicher zum Erfolg bei. Wenn Deutschland eine Verbreitung der Smart Meter von 80% bis 2020 sowie Energieeffizienzziele und Vorraussetzungen für Smart Grids erreichen will, muss sich hier bald etwas tun.



